Der Blick vom Fanaråken - Norwegens legendäres Panorama, das man nie vergisst

Bild mit dem Link und dem Titel zu unserem Blog von der Tour auf die höchste Hütte in Norwegen

"Einen Sonnenaufgang mit 360 Grad Rundumsicht über die Gipfel des Jotunheimen, den man nie vergisst"

- verspricht die höchstgelegene bewirtschaftete Hütte Norwegens im eigenen Internet-Auftritt. Sie liegt auf dem Gipfel des Fanaråken in 2068 Metern Höhe und damit aber auch ca. 300 Tage pro Jahr im Nebel.

Es ist ein sehr sonniger und warmer Sommer und wir genießen einmal mehr die Umgebung und die Gastfreundschaft auf dem Hof Nes Gard in der Kommune Luster, hier an den Ausläufern des Sognefjords, eingebettet in eine norwegische Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Gleich drei Nationalparks grenzen an die Kommune: Jotunheimen, Breheimen und Jostedalsbreen. Monumentale Gletscher, scheinbar unendliches Fjell, schroffe Gipfel, rauschende Flüsse mit unzähligen Wasserfällen, fruchtbare Täler und das unwirklich türkisfarbene Wasser der Fjorde bis hin zur maritimen Atmosphäre kleiner Dörfer am Ufer - hier findet jeder Besucher eine abwechslungsreiche und malerische Landschaft mit ihrem ganz besonderen Reiz. Nach einem kurzen aber intensiven Frühling hat sich zwischenzeitlich der Sommer in den Tälern am Sognefjord durchgesetzt und nur noch wenige Berge strahlen schneebedeckt zwischen saftig grünen Wiesen. 


Eine perfekte Zeit, um die Sehenswürdigkeiten und Schönheiten dieser Region zu entdecken, wie zum Beispiel das Bergmassiv des Fanaråken (2068 Meter),

"Aber sicher ! Schon seit 20 Jahren, immer gegen 13.00 Uhr holt ein Führer eine Gruppe am Fuße des Fanaråkbreen ab, um diese in einer Seilschaft über den Gletscher auf den Fanaråken zu begleiten" entgegnet unser Vermieter, Asbjørn Månum, mit gespielter Entrüstung auf meine eigentlich überflüssige Frage, ob ich mich auf seine eben dazu getroffene Aussage verlassen kann.

Der Wetterbericht auf yr.no kündigt für die nächsten beiden Tage das perfekte Wetter für unser geplantes Vorhaben, die Besteigung des Fanaråken und eine Übernachtung auf der Gipfelhütte, an. So sitzen wir an diesem Abend mit Asbjørn zusammen, um diese Tour zu planen und dabei einmal mehr auf seine langjährigen Erfahrungen zurückgreifen zu können. "Ihr solltet das Auto am Berghotel Turtagrø abstellen, dann den Bus zur Sognefjellhytta nehmen und von da aus über den Gletscher aufsteigen und am nächsten Morgen den steileren Weg nach Turtagrø zurückgehen" empfiehlt er uns. Später erzählt er noch stolz, dass er zu Beginn der Saison im Juni die Fanaråkhytta mit 300 Litern Apfelsaft von seiner Farm versorgt hat und diese Lieferung zusammen mit dem anderen Proviant per Helikopter auf den Berg gebracht wurde. Typisch Asbjørn, bringt er uns etwas später auch noch einen Zettel mit den Busfahrzeiten und seinen massiven Eispickel aus den 50er Jahren und verabschiedet sich mit einem herzlichen "God tur". Diese Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft  in Norwegen ist für uns manchmal schon fast befremdlich….

Am nächsten Morgen geht es gleich nach dem Frühstück los: Wir fahren wenige Kilometer von Nes Gard aus am Fjord entlang zum Berghotel Turtagrø, wo wir wie empfohlen unser Auto abstellen. Von hier aus geht es weiter mit dem Linienbus den Sognefjellsvegen entlang bis zur nächsten Haltestelle an der Sognefjellshytta. Jetzt heißt es innerhalb der nächsten 2 Stunden die Distanz bis an den Gletscher zu überwinden, damit wir tatsächlich um 13.00 Uhr als Teil der heutigen Seilschaft den Gletscher Fanaråkbreen überqueren können. Eines ist klar: Schaffen wir das nicht, dann ist diese Tour vorbei, bevor sie richtig begann. 

Alles geht gut und so sind wir kurze Zeit später als Teil einer Seilschaft mit ca. 20 Gleichgesinnten auf dem Weg über das ewige Eis. Eine vollkommen neue und sehr schöne Erfahrung für uns. Aus Sicherheitsgründen laufen immer zwei Gruppen parallel, damit im Notfall gegenseitige Hilfestellung möglich ist.


Wo bleibt aber das angekündigte sonnige Wetter ? Der Fanaråken liegt in den Wolken und es weht ein kräftiger eisiger Wind über den Gletscher. Nur gut, dass wir dank Asbjørn`s Ratschlägen die richtige Ausstattung dabei haben. Ich hatte bereits im Vorfeld davon gelesen, dass es im Jahr wohl nur ca. fünfzig Mal möglich sein soll einen Sonnenauf- oder -untergang zu beobachten und die Durchschnittstemperatur auf dem Gipfel auch nur wenige Wochen über 0 Grad liegt. Wir werden doch nach diesen Strapazen hoffentlich nicht im eisigen Nebel sitzen?

Am Nachmittag ist es dann endlich geschafft und wir stehen vor der höchstgelegenen bewirtschafteten Hütte Norwegens, der Fanaråkhytta in 2068 Metern Höhe, die für sich selbst mit der Aussage "rom med utsikt" (Zimmer mit Aussicht) wirbt. Von 1932 bis 1978  gab es hier auf dem Gipfel nur eine Wetterstation, die inzwischen neben der eigentlichen DNT-Hütte als Schlafsaal dient, so dass insgesamt 70 Schlafplätze vorhanden sind. Auf unsere Nachfrage erfahren wir, dass alle Nachtquartiere gegen 21.00 Uhr nach den Regeln des norwegischen Wandervereins DNT vergeben werden: Mitglieder des DNT haben Vorrang vor Nicht-Mitgliedern und Ältere vor Jüngeren. Zur Not gäbe es Matratzen - aber jeder soll und wird ein Nachtlager haben. 

Wir beschließen, uns erst einmal bei einer Tasse heißen Kaffee in der Hütte aufzuwärmen. 

 


Und dann passiert es: Kurz vor dem Abendessen ziehen überraschend die Wolken auf und wir werden mit einer grandiosen Aussicht über die Bergwelt Norwegens belohnt. Von den Gipfeln des Jotunheimen bis hin zum Breheimen und in die Täler am Sognefjord reicht der Blick. Die bereits tieferstehende Sonne strahlt diese einzigartige Kulisse an und zaubert ein magisches, ja dieses typische nordische Licht. Es ist an der Zeit einige Fotos zu machen, um diesen Augenblick festzuhalten. 


Anschließend gibt es in urgemütlicher Atmosphäre zum Abendessen ein wirklich schmackhaftes 3-Gang-Menü mit Kraftbrühe, Kjøttbullar und Pudding. Lecker ! Es ist erstaunlich wie viele Menschen in der kleinen Hütte Platz finden und gemeinsam bei bester Stimmung auf den Holzbänken dieses Essen geniessen. Alle sind gleich, alle werden herzlich aufgenommen und obwohl man sich bisher nicht kannte, werden lebhafte Tischgespräche geführt. Wir fühlen uns sehr wohl und herzlich willkommen.

Während des Abendessens lässt sich bereits durch die Hüttenfenster erahnen, dass wir tatsächlich viel Glück haben und hier oben einen der seltenen Sonnenuntergänge über dem Gebirge erleben werden. Daher hält es nach dem Essen kaum noch Jemanden am Tisch. Die Schlafplätze für die Nacht werden schnell vergeben und trotz Hochsaison und bevorstehendem Wochenende reichen Sie tatsächlich für alle. Wir ziehen uns warm an, denn es wird am Abend empfindlich kalt und dann geht es zur kollektiven Fotosession mit den anderen Gästen, die alle den gleichen Wunsch haben: Einen beeindruckenden Sonnenuntergang hinter den Gipfeln des Breheimen zu verfolgen. 

Der Himmel erstrahlt an diesem Abend in einem ständig wechselnden Farbenspiel von orange bis violett und wir sind sehr froh das erleben zu dürfen. Es kehrt allmählich eine unbeschreibliche Ruhe, ja - ein spürbarer Frieden in dieser Abgeschiedenheit über den Gipfeln Norwegens ein. Einmalige Eindrücke als Belohnung für eine anspruchsvolle Tour.

Um 23.00 Uhr beginnt wie in allen DNT Hütten die Nachtruhe und so heißt es auch für uns, ab in den Schlafsack. Vielleicht haben wir das Glück und erleben als weiteres Highlight auch noch einen spektakulären Sonnenaufgang ?

Samstagmorgen, 3:30 Uhr: Durch die Fenster im Schlafsaal ist bei diesem Nebel auch bei bestem Willen keine aufgehende Sonne zu erkennen. Lohnt es sich unter diesen Vorraussetzungen aufzustehen und einen Blick zu riskieren? Was soll es - wir kriechen aus unseren Schlafsäcken, ziehen uns an und treten vor die Tür in eine wahre Hexenküche. Zwei weitere Gäste folgen uns mit scheinbar ähnlichen Ambitionen - doch das Wetter macht uns an diesem Morgen wohl tatsächlich einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich, erst ganz unscheinbar und kaum wahrzunehmen, erkennt man durch den Nebel ein zartes orangefarbenes Leuchten am Horizont. Die Wolkenfetzen um uns lösen sich scheinbar auf und geben den Blick auf die ersten Sonnenstrahlen dieses Tages frei. Es gibt keine Worte mit denen man diesen Augenblick treffend beschreiben könnte. 

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Bei -10 Grad mitten im Juli und für mich gefühlt irgendwie noch halb in der Nacht sind zwar die Finger auf dem Auslöser der Kamera klamm, aber diese Motive sind dafür einfach unbezahlbar: In den Tälern links und rechts von uns hängen die Wolken noch tief, wir stehen ganz unwirklich in dieser Szenerie und schauen durch einige Nebelfladen in die gerade aufgehende Sonne. Es ist so faszinierend, dass wir die Kälte gar nicht spüren.

Zufrieden legen wir uns noch einmal kurz hin, allerdings mehr zum Aufwärmen, denn an Schlaf ist jetzt kaum noch zu denken. Gegen 7.00 Uhr setzt dann eine allgemeine Betriebsamkeit im Schlafsaal ein und so stehen wir fast zeitgleich mit allen anderen Gästen auf. Frühstück !

frühstück, über 2000 m,

Nach einem typisch norwegischen Frühstück mit leckerer Hafergrütze vom Ofen, frisch gebackenen Brot und einem starken Kaffee bedanken wir uns für die gewährte Gastfreundschaft und bezahlen unseren Aufenthalt bei den drei jungen Frauen, die die Hütte hier oben während der kurzen Saison von Ende Juni bis Ende August bewirtschaften. 

Jetzt beginnt der Abstieg in Richtung des Berghotels Turtagrø. Ein sehr steiniger, steiler aber gut ausgewiesener Weg. Es zeigt sich wieder, wie schon während des Aufstieges, dass es gut war auf allen unnötigen Ballast in unseren Rucksäcken zu verzichten. Um so mehr frage ich mich inzwischen, warum ich den einige Kilo schweren Eispickel von Asbjørn mitgeschleppt habe, obwohl ich ihn nicht ein Mal gebraucht habe….


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Nur wenige Stunden später erreichen wir wohlbehalten den Parkplatz, wo wir zu Beginn unserer Tour das Auto abstellten. Wir fahren zurück nach Nes Gard, essen dort zu Abend und genießen die Annehmlichkeiten unseres Stammquartiers. Wir haben Asbjørn so viel zu erzählen und noch mehr atemberaubende Bilder zu zeigen. Während wir so erzählen wissen wir bereits ganz sicher: Irgendwann demnächst übernachten wir noch einmal auf dem Fanaråken - in dem "Zimmer mit Aussicht", 2068 Meter hoch über Norwegen.

 

Für einen längeren Aufenthalt, als Basislager für unsere beschriebene Tour oder auch nur eine Übernachtung auf der Durchreise empfehlen wir das von uns geschätzte und in allen Portalen sehr gut bewertete Bed and Breakfast Nes Gard, welches du dir direkt HIER ANSCHAUEN UND ONLINE BUCHEN kannst.


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Autoren: Cornelia und Sirko Trentsch (mehr über uns hier)


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