TOUREMPFEHLUNG: Supphelledalen - Flatbrehytta (Fjærland / Sogn og Fjordane / Norwegen)

Bild mit dem Link und der Headline zu unserem Blog von der Tour zur Flatbrehytta

Die Flatbrehytta ist eine der "selbstbedienten" Hütten des Norwegischen Wander- und Tourismusvereins DNT. Sie liegt stolze 994 Meter über dem Meeresspiegel, den man sogar von der Hütte aus, mit einem unbezahlbaren Blick auf den Fjærlandfjord, sehen kann. Der Gletscher Flatbreen, ein Arm des Jostedalsbreen (Europas größten Gletscher), erstreckt sich dagegen nur leicht oberhalb der Hütte und rahmt diese wundervolle Szenerie perfekt ein. Der Weg zur Flatbrehytta ist teilweise recht steil, aber durchweg wunderschön und abwechslungsreich. Am Ziel angekommen, wird man dafür mit unvergesslichen Eindrücken und Aussichten über das Supphelledalen, den Gletscher und den Fjærlandsfjord belohnt. Diese Tour ist aus unserer Sicht ein absolutes Muss und sicher nicht umsonst bei den Einwohnern der Region so beliebt und populär. Die Hütte wird auch regelmäßig als Basislager für die Ausbildung einheimischer Gletscherführer genutzt. Also, steigen wir auf  ?

Bild mit den kurzen Fakten, wie Länge, Zielpunkt und vielem mehr zu dieser Tour

Hier kommst du zur  Übersicht der offiziellen norwegischen Einstufungen für die Schwierigkeitsgrade einzelner Touren.

Bild mit Blick auf den Fjord im Tal (Norwegen)
Mit dem vielen Schmelzwasser der umliegenden Gletscher schimmern die Fjorde in der Region während der Sommerzeit in prächtigen Farben

ANFAHRT: Von Sogndal oder Skei aus fährt man die Reichsstraße (RV) 5 entlang in Richtung Fjærland. Aus Skei kommend biegt man noch vor Fjærland nach links in Richtung Supphellebreen ab. Von Sogndal fährt man etwas mehr als 35 Kilometer, lässt Fjærland linkerhand liegen, um anschließend nach rechts in das Supphelledalen abzubiegen. In beiden Fällen folgt man dann, nachdem man die RV 5 verlassen hat, der kleinen Nebenstrasse durch das enger werdende Tal, bis nach ca. 2,5 km der Parkplatz auf der rechten Strassenseite erreicht ist. Von dem gut erschlossenen und befestigten Parkplatz aus beginnt direkt der Weg hinauf zur Flatbrehytta.

Bild von Gedenktafel an einem berühmten Gletscherführer
Berühmter norwegischer Gletscherführer
Bild mit Blick auf Fjord und Tal von der Flatbrehytta
Blick auf den Fjærlandsfjord
Bild mit Erbauungsjahr der Hütte
Seit 1954 bietet die Hütte Wanderern Schutz

TOUR: Es gibt zwei mögliche Touren, um die Flatbrehytta zu ereichen. Der eine Weg ist durchweg etwas steiler, dafür aber kürzer und so benötigt man für diese Variante nur etwa 2-3 Stunden - je nach individueller Geschwindigkeit. Die andere Strecke ist dagegen etwas länger, aber dafür genießt man unterwegs einen sensationellen Blick auf den Gletscher Supphellebreen. Entscheidet man sich für diese Tour, sollte man cirka eine halbe bis zu einer Stunde mehr Zeit einplanen. Der Anstieg ist aber auch auf diesem Weg, zumindest teilweise, steil und anspruchsvoll. Wir entscheiden uns kurzerhand für eine Rundtour, bergauf für den längeren und nicht duchweg so steilen Weg, um dann auf der anderen Strecke wieder in das Tal abzusteigen.

Da das Wetter an diesem Tag durchwachsen ist, haben wir zur Sicherheit regenfeste Kleidung und unsere dicken Fleecepulover im Gepäck. Dazu nehmen wir natürlich ausreichend Wasser und unser "Matpakke" (norwegisch für Lunchpaket) mit. Außerdem sollte man auf wetterfestes Schuhwerk achten, da mehrere Bäche und Flüsse zu überqueren sind, es  teilweise sehr schlammig werden  kann und die Wege oft unwegsam und steinig sind. Der Weg ist an der Straße, gegeüber vom Parkplatz, ausgeschildert und so "trotten" wir los. Anfangs beginnt diese Tour tatsächlich fast gemütlich, aber das ändert sich schnell: Schon nach kurzer Zeit gelangen wir an einen Fluß, der mächtig viel Wasser führt und den es irgendwie zu überqueren gilt. Wir treffen am Ufer auf ein norwegisches Pärchen, die ebenfalls rätseln wie sie auf die andere Seite gelangen sollen, da die Brücke nur noch zum Teil intakt ist und offensichtlich ihre besten Jahre und viele Fluten hinter sich hat.

 

Bild von einer Brücke auf dem Weg zur Flatbrehytta
Gleich zu Beginn die erste Herausforderung
Bild von einer defekten Brücke
Dieser Teil der Brücke ist sehr speziell

Bild von Conny auf dem Weg zur Wanderhütte
Eine schöne und abwechslungsreiche Tour
Bild vom Gletscherarm des Jostedalsbreen
Der erste Blick auf den Gletscher - ein fantastischer Anblick

Das Ganze wird typisch norwegisch gelöst: Man hilft sich gegenseitig und so hangeln und klettern wir von Stein zu Stein über den Fluß. Wir sind einmal mehr froh, dass wir unsere Stöcke dabei haben - so balanciert es sich deutlich einfacher, gerade in diesen und vergleichbaren Situationen. Geschafft !! Nur nicht zu früh freuen, denn jetzt  kommt der steile Teil...

 

2013 hat man einige, besonders unwegsame, Teile der Strecke verbessert indem Treppen eingesetzt wurden - genau das Richtige für Bauch, Beine und Po :-) Je höher wir kommen, umso mehr spüren wir auch die gennanten Körperteile, da der Weg zunehmend anspruchsvoller, schmaler und steiniger wird. Wie so oft, sind die Wege in Norwegen spektakulär und wir fragen uns mehr als einmal, ob das erst gemeint ist und der Weg wirklich hier entlang führen soll.... So ergeht es uns auch dieses Mal, denn es gibt wirklich steile Abschnitte mit verdammt schmalen Pfaden und einem gewöhnungsbedürftigen Ausblick in den Abgrund. Diese Strecke (östlicher, längerer Aufstieg - siehe Karte unten) ist daher nicht bei Höhenangst und schwachen Nerven zu empfehlen. Die Neugier treibt uns dennoch weiter - mit jedem weiteren Höhenmeter lässt sich erahnen, wie fantastisch der Ausblick von oben sein muss. Gleich geschafft - denken wir öfter einmal. Dort oben geht es wohl nicht mehr weiter - da müssen wir gleich am Ziel sein. Dort angekommen bietet sich aber immer dasselbe Bild: NEEEEIN !! - wir sind nicht am Ziel und Sirko fängt mal wieder an über die falschen Freunde in Norwegen zu fluchen und ich muss unweigerlich schmunzeln....

Bild vom Gletscher und wunderschönen Blumen
Ein toller Kontrast - ein Meer aus Blumen und das ewige Eis
Bild vom Gletschereis in Norwegen
Bei diesem Anblick fehlen einem die Worte

Ahhhh, endlich: Der Gletscher ist in Sicht  - und wirklich atemberaubend schön. Damit hat sich der Weg bis an diesen Punkt schon einmal gelohnt und wir vergessen die letzten Strapazen des Aufstiegs. Wir haben bereits viele Gletscher in Norwegen gesehen, aber dieser Arm des Jostedalsbreen ist echt etwas Besonderes. Ganz gewaltig, zum Greifen nah schimmern die Eismassen türkis und bilden so einen einmaligen Kontrast zur Blumenwiese davor und dem Himmel darüber. Wahnsinn !! Spontan entscheiden wir uns für eine kleine Rast und genießen den Blick. Da es in Gletschernähe immer etwas kälter ist und ein kühler Wind weht, wollen wir nach kurzer Zeit schließlich weiter. Unserer Karte nach zu urteilen, kann es nicht mehr weit sein bis zum Ziel, der DNT Hütte unterhalb dieses imposanten Gletschers. Noch den letzten "falschen Freund" überwinden, ein längeres Schneefeld überqueren und ta, ta - endlich...

Bild von der Flatbrehytta
Endlich ist die Hütte in Sicht
Bild von der Hütte mit Conny
Gemeinsam mit einer norwegischen Familie sind wir allein hier oben

ZIEL: Das letzte Schneefeld liegt hinter uns und dann stehen wir vor der kleinen falunroten Hütte, umgeben von steilen Felswänden und nur einen Steinwurf entfernt vom Gletscherarm Flatbreen. Die Flatbrehytta wird unter anderem oft für Gletschertouren als Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Der Ursprung der Hütte reicht bis auf das Jahr 1954 zurück. Der legendäre Gletscherführer Anders Øygard baute damals die erste Behausung an diesem Platz und schleppte fast das ganze Material selbst nach oben. Die Hütte ist "selbstbedient" - das heisst, es gibt ein Proviantlager mit Grundnahrungsmitteln wie Konserven und Trockenwaren sowie einige Schlafplätze. Seitdem 1964 die Anzahl der Schlafplätze von fünf auf fünfzehn aufgestockt wurde, hat die Popularität der Hütte enorm zugenommen und sie ist seitdem immer öfter und für viele Outdoor-Fans Ausgangspunkt für eine Menge Touren im Gebirge. Von hier aus kann man bis nach Lunde, in das Briksdalen oder auch nach Befring auf der Westseite des Jostedalsbreen wandern  oder nach Tungestølen im Nordosten gehen.

Bild von Sirko der die Gegend erkundet
Sirko erkundet die Gegend
Bild mit Blick in die Hütte
Ein Blick in das Innere der Hütte
Bild von gepflückten Feldblumen
Typisch norwegisch - Tischschmuck darf nicht fehlen


Bild vom Rückweg in Richtung Supphelledalen
Der Weg hinunter führt durch den Schnee des letzten Winters
Bild vom Abstieg in Richtung Ausgangspunkt
Ziemlich steiler Abstieg - aber mit grandiosen Blick in das Tal

Der Weg zurück beginnt mit vielen Schneefeldern aus dem letzen Winter, so das wir den steilen Hang hinab mehr schlittern und rutschen als laufen. Dabei hatten wir lange Zeit weiterhin den unbeschreiblich schönen Blick auf den Fjord, der türkisfarben in der Ferne lag. Nach einem guten Teil der Strecke kamen wir an die Weggabelung, an der wir uns am Morgen für eine Tourenvariante hinauf zur Hütte entscheiden mussten. Ab hier kannten wir natürlich den Weg und nach kurzer Zeit waren wir zurück auf dem Parkplatz und schliesslich in unserem Auto - bereits mit den Plänen und Gedanken, dass man eigentlich noch ein weiteres Mal zum Sonnenauf- oder Untergang zur Flatbrehytta hinauf muss. Vielleicht sehen wir uns ?

God tur!!!


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Autoren: Cornelia und Sirko Trentsch (mehr über uns hier)


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