Unser Kurztrip auf die Vogelinsel Lovund (Helgelandsküste / Nordland / Norwegen)

Bild für die Überschrift zu unserem Blog über die Insel Lovund

Helgelandskysten, den Fylkesveien 17 (FV 17) an der norwegischen Küste entlang -  dieses Mal unser Wunschziel in Norwegen. So beginnen unsere Recherchen zu den Fährzeiten, den Übernachtungsmöglichkeiten und den HotSpots in dieser Region. Uns erwartet offensichtlich eine Reise durch atemberaubende Landschaften, eine augenscheinlich ganz besondere Küstenstraße und unzählige Highlights, die wir aufsuchen oder auch besichtigen können. Und plötzlich stießen wir mitten in unserer Recherche und diesen Überlegungen auf eine kleine Insel, draußen im Atlantik, vor der Küste Norwegens: Lovund !! Nicht das es hier an Inseln mangeln würde, aber wir lasen in diesem Zusammenhang von den Brutplätzen seltener Vogelarten, einer einmaligen Natur, der nicht weit entfernt liegenden populären Insel Træna und vor allen Dingen von dem "Wunder von Lovund" - da müssen wir ganz sicher hin !! Folgt uns nun auf diese Insel und erfahrt später mehr, was es mit dem Wunder von Lovund auf sich hat....

Bild mit Blick auf die norwegische Insel Lovund im Atlantik
Blick auf die Insel Lovund
selbstgemaltes Bild mit vielen Vögeln der Insel
Willkommen auf Lovund - die Insulaner scheinen stolz auf ihre Insel zu sein

Lovund wir kommen !! Aber wie kommen wir tatsächlich auf die Insel ?  Schnellboot oder Fähre sind die möglichen  Optionen und eine weitere Erkenntnis kommt sofort dazu: Wir müssen auf der Insel übernachten, denn die Fahrzeiten der Schiffe lassen kaum eine vernünftige Kombination mit einer Inseltour am gleichen Tag zu. Auch diese Frage beantwortet sich fast von allein - denn entweder schläft man im einzigen Hotel auf der Insel, dem Lovund RorbuHotell, oder eben nicht.... Eine Übernachtung im Zelt Anfang Mai, nördlich vom Polarkreis, erscheint uns riskant - also Zimmer gebucht. Uns wird schnell klar, dass wir durchaus Glück haben, als wir, nach mehrmaligen Kontakt mit dem Hotel, doch noch ein kleines Dachzimmer in einem der Fischerhäuser bekommen. Alles klar !!

 

Die Tour auf dem Kystriksveien, entlang der Helgelandskysten, ist wirklich abwechslungsreich, spannend und wunderschön. Wir fahren diese Strecke von Bodø aus in südlicher Richtung und werden zum Schluss unseren Mietwagen in Trondheim abgeben, um von dort aus heimwärts zu fliegen. Nach den ersten Tagen unserer Reise ist es soweit: Wir müssen heute am Abend gegen 18.00 Uhr in Stokkvågen sein, um mit dem Schnellboot übersetzen zu können - der letzten Gelegenheit für diesen Tag, um auf die Insel zu kommen. Auf einem ausreichend großen Parkplatz stellen wir unseren Mietwagen ab, nehmen unsere Rucksäcke mit dem Equipment für eine Übernachtung und laufen zum kleinen Hafenterminal. Die Überfahrt auf dem modernen Schnellboot ist angenehm und entspannend. Wie ein Feierabendbus bringt es die Menschen auf die verschiedenen Inseln, die unterwegs nach Lovund angelaufen werden. Endlich sind wir da und zum ersten Mal sehr beeindruckt....


Neben der einzigartigen Form der Insel, die von dem spitzen, kegelförmigen Berg geprägt ist, beeindruckt uns die Zeremonie in dem kleinen Hafen, als wir einlaufen: Scheinbar jeder der 450 Einwohner ist auf den Beinen, um das Einlaufen des Schnellbootes am Abend nicht zu verpassen. Da werden Verwandte und Freunde abgeholt, die Post in Empfang genommen, Waren vom Festland abgeholt und Dinge für die Rückfahrt aufgegeben. Minuten später herrscht schon wieder eine friedliche und erholsame Ruhe über der Insel und wir spüren, wie der Alltag und der Takt des normalen Lebens hier in der norwegischen Inselwelt bestimmt wird, von den Einlauf- und Auslaufzeiten der Schiffe, die oft die einzige Verbindung zum Festland bieten. 

Bild mit dem Schnellboot welchen mehrmals täglich zwischen Festland und Insel pendelt
Unser Schnellboot - pendelt zwischen Insel und Festland
Bild mit der Kirche des Dorfes nur wenige Meter vom Hafen entfernt
Die Kirche der Insel - nur wenige Meter vom Hafen entfernt
Bild von unseren Hotel ursprünglich norwegisch
Ein sehr idyllisches Hotel mit sensationellem Essen

Wir nehmen unsere Rucksäcke, laufen die wenigen hundert Meter zum Hotel und sind ein weiteres Mal an diesem Tag beeindruckt: Ein tolles, gut gelegenes und ansprechendes Hotel - für uns gefühlt am Ende der Welt - liegt vor uns. Wir werden freundlich empfangen, kurzes Einchecken und die Frage, ob wir noch etwas zum Abendessen möchten. Möchten wir. So essen wir nur wenige Minuten später leckeren Fisch, fangfrisch und sehr gut zubereitet und genießen dazu einen unbezahlbaren Blick aus den Panoramafenstern auf das Meer und die vorgelagerten Holme. Es hält uns natürlich nicht lange im Hotel auf den Stühlen, denn bei diesem tollen Restlicht an dem Abend müssen wir noch eine kleine Fotosession machen, um dann todmüde ins Bett zu fallen und bei offenem Fenster, Meeresrauschen und Möwengeschrei herrlich zu schlafen....

Bild mit herrlichen Blick über die Insel mit grandiosen Licht  und keinem Wind
Ein herrlicher Abend - auf zur Fotosafari
Bild in der Dämmerung zu sehen ist unser Hotel mit falunroten Häuschen
Unser Hotel in der Abenddämmerung
Bild mit einen fantastischen Blick auf die Insel Træna unweit entfernt der Insel Lovund
Blick auf die ebenfalls wunderschöne Insel Træna

Bild auf ein Bauernhof mit türkis färbenden Wasser und ganz feinem Sandstrand
Das Wetter verändert sich hier rasant - eine absolute Wetterküche

Nach einem kräftigen Frühstück brechen wir auf, um die Insel zu erkunden. Wir laufen die Klippen entlang in westlicher Richtung, am Vogelfelsen vorbei, bis zu einigen kleinen Sandstränden und ein paar Felsen, denn viel weiter kommen wir nicht.... Hier draußen ändert sich das Wetter im Minutentakt und plötzlich kommt ein Sturm mit Starkregen auf, dass wir froh sein können, eine kleine Schutzhütte zu finden. Typisch norwegisch ist diese nicht verschlossen und so suchen wir hier Unterschlupf. Im Nachhinein sind wir froh, denn es ist unglaublich schön hier: Durch die vielen Fenster können wir die Adler beobachten, in der Feuerstelle prasselt ein wärmendes Feuer (was Sirko natürlich - typisch Mann - sofort anmachen musst) und wir essen wettergeschützt unsere Brote und haben es "koselig" (ein norwegisches Wort, welches in diesem Zusammenhang wohl nicht übersetzt werden braucht).


Bild von einer norwegischen Schutzhütte
Zum Glück finden wir in dieser gemütlichen Hütte Schutz
Bild von einem Seeadler beim fischen über dem Meer
Was für ein Naturschauspiel - Seeadler beim Fischen
Bild mit schlechten Wetter über Lovund
Es schüttet wie aus Eimern - wir werden pitschnass

Irgendwann und irgendwie kämpfen wir uns ins Hotel zurück. Pitschnass fragen wir gleich, ob wir eine weitere Nacht im Hotel bleiben können und verlängern so spontan unseren Aufenthalt, in der Hoffnung auf besseres Wetter am nächsten Tag. Am Abend genießen wir ein weiteres Mal die sensationelle Küche im Hotelrestaurant und erleben nach dem Essen, bei einem Glas Wein, eine unbeschreibliche Atmosphäre, als sich eine ältere Norwegerin an den Flügel setzt und wunderbar spielt, während des draußen über der Insel bereits dunkel wird. 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne, als hätte es nie geregnet und nur die Dunstschleier der Niederschläge vom Vortag zeugen noch davon. Wir brechen auf und wandern auf der unbewohnten Inselseite, immer unterhalb vom markanten 620 Meter hohen Berggipfel, der majestätisch über uns thront, am Meer entlang. 

 

Bild mit Conny die aus dem Hotelfenster schaut
Heute ist besseres Wetter - auf zur Inselerkundung
Bild mit Sirko und mit Blick über das weite Meer
Ein schöner Weg der immer an der Küste entlangführt
Bild mit Conny auf einem schmalen Pfand mit Kette zum festhalten
Ein schmaler Weg - ohne diese Kette kaum passierbar

Unterwegs treffen wir auf eine weitere Schutzhütte im Küstenwald, die sich die Inselbewohner gebaut haben, und die - das könnt ihr uns glauben - mancher gern als Ferienhaus hätte. Ein Traum !! Wir nutzen die Hütte für eine Rast, trinken warmen Tee, um dann weiter die Insel zu erkunden und uns immer wieder von dem Frieden, der fast unberührten Natur und der Schönheit der Landschaft faszinieren zu lassen. Nach einem unvergesslichen Tag auf der Insel beginnt es langsam zu dämmern und damit wird es für uns Zeit, zum Vogelfelsen zu gehen. In den Abendstunden, wenn die Vögel vom Meer hereinkommen beginnt ein ganz besonderes Schauspiel. Uns haben es besonders die Papageitaucher angetan, die in Norwegen nicht ganz so verbreitet sind und die wir bisher nur weit südlicher, auf der Insel Runde, bewundern können. Hier soll es aber eine der grössten Kolonien und eben das Wunder von Lovund geben....

Bild mit dem bekannten Berg der Insel Lovundfjellet - der Gipfel liegt noch im Nebel
Fantastischer Blick auf den Lovundfjellet - 623 Meter hoch
Bild mit Sandstrand blauen Himmel und in der Ferne sieht man weitere Inseln
Türkisfarbenes Wasser mit feinsten Sand - wie in der Karibik....

Das Wunder von Lovund ? Wir erfahren vor Ort auf der Insel vom "Lundkommardagen" oder auch "Puffins Day"- einem ganz besonderen Tag, der jährlich wie ein Feiertag zelebriert wird und für die Insulaner eine große Bedeutung hat. Gemeint ist damit der 14. April - an dem exakt in jedem Jahr und fast zur gleichen Uhrzeit etwa 30.000 Papageitaucher-Paare zu ihren Brutplätzen auf der Insel zurückkehren, nachdem sie die Wochen und Monate zuvor auf dem offenen Meer verbracht haben. Man kann fast seine Uhr danach stellen und egal wie die Witterung ist, der letzte Winter auch war: An genau dem 14. April sind die possierlichen Vögel zu Abertausenden wieder auf "ihrer" Insel...

 

Bild mit Papageitaucher
Papageitaucher vor seiner Bruthöhle
Bild mit weiteren Papageitaucher
Auf norwegisch heißen die kleinen Kerle - Lundefugl
Bild mit einem Puffen auf der Insel Lovund
Nur in der Brutzeit leben sie an Land

Plötzlich, wie aus dem Nichts, zieht zum Nachmittag dieses Tages am Horizont eine dunkle Wolke auf und ein eigenartiges Sirren erfüllt die Luft – das Geräusch unzähliger schlagender Flügel, bis diese Armada von Papageitauchern, begleitet vom Applaus einer schon sehnlichst wartenden Fangemeinde zur Landung ansetzt. Kein Wissenschaftler kann bis heute erklären, warum sie jedes Jahr in dieser Form auf die Insel zurückkehren und vor allem nicht, warum sie dabei so zuverlässig und punktgenau jährlich zur selben Zeit am Horizont auftauchen - als hätten sie draußen auf dem Meer einen Kalender. Man vermutet, dass das Verhalten mit der "Familienplanung" zu tun hat und die Papageitaucher treue Seelen sind, die jedes Jahr zum gleichen Nest und dem gleichen Partner zurückkehren. Vielleicht haben sie Angst, dass quasi Haus und / oder Partner vergeben sind, wenn sie nicht rechtzeitig zurück sind. Aus menschlicher Sicht durchaus nachvollziehbare Beweggründe - aber eben wissenschaftlich nicht belegt und so bleibt es beim Wunder von Lovund. Schaut es Euch gern selbst einmal an - aber seid pünktlich :)

 

Nach einer weiteren Nacht auf der Insel nehmen wir am nächsten Morgen die Autofähre für die Rückfahrt zum Festland, da uns die Abfahrtszeit sehr gelegen kommt. Wir sind etwas irritiert, als ein - entgegen aller bisherigen Erfahrungen in Norwegen - nicht sonderlich vertrauenserweckender "Kahn" kommt, der zwischen den Inseln und dem Festland verkehrt uns wieder dorthin bringen soll. Es kommt, wie es kommen musste: Unterwegs haben wir einen kapitalen Maschinenschaden und tuckern mit nur noch halber Kraft ewig - aber in jedem Fall entschleunigt - zum Festland.... Dort geht unser Trip entlang der Helgelandskysten weiter - wovon ihr demnächst mehr in einem weiteren Blogpost lesen könnt.

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God tur !! Gute Reise !!


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Autoren: Cornelia und Sirko Trentsch (mehr über uns hier)


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