Der Weihnachtsmarkt in Røros - ein Traum aus einer anderen Zeit  (TEIL I)

Bild für die Überschrift zu unserem Blog vom Weihnachtsmarkt in Norwegen
Der populäre Blick auf die UNESCO Weltkulturerbe-Stadt Røros
Der populäre Blick auf die UNESCO Weltkulturerbe-Stadt Røros

Die Vorweihnachtszeit in Norwegen zu erleben - das hatte für uns schon immer was Großes, etwas absolut Traumhaftes. Wir hatten bereits viel gelesen über die verschiedenen Traditionen in Skandinavien, die norwegische Weihnachtsfeier unseres Norwegisch-Kurses an der Volkshochschule genossen und ohnehin schon immer den Norden Europas als die Wiege des Weihnachtsfestes und damit die Heimat des Weihnachtsmannes ausgemacht....

Zugegebenermaßen haben wir damit einen etwas verklärten Blick auf das Weihnachtsfest in Norwegen, sind vielleicht emotional etwas befangen und wollen es gern vorweg nehmen: Es ist wirklich ein unvergessliches und unvergleichliches Erlebnis.

 Wir sind oft und gern im Spätherbst, wenn der erste Schnee fällt, in der Femundsmarka, in der Region um Elgå (Engerdal Kommune). Ein Ausflug von dort nach Røros, in die UNESCO Weltkulturerbestadt, gehört dabei für uns schon immer mit zum festen Repertoire. Røros hat mit seinen vielen gut erhaltenen Holzhäusern aus längst vergangenen Epochen seinen ganz eigenen und besonderen Charme und völlig zurecht die Anerkennung durch die UNESCO erhalten.


Es ist für uns auch immer wieder ein Erlebnis, in der Bakeri Trygstad zu sitzen, einen aromatischen warmen Kaffee zu genießen, während draußen der Schnee fällt und man die Leute in der Einkaufsstraße bei ihren Erledigungen beobachten kann. Dazu gibt es in der Stadt jede Menge Galerien, Boutiquen mit lokalen Angeboten, Delikatessgeschäfte mit regionalen Spezialitäten (und davon scheint es eine Menge zu geben) sowie jede Menge Bars und andere Locations, die zum Verweilen einladen.

An jedem zweiten Adventswochenende eines Jahres findet für vier Tage der populäre und über die Regionsgrenzen hinaus bekannte traditionelle  Weihnachtsmarkt statt. Genau zu dieser Zeit werden wir wieder in der Femundsmarka und damit in der Nähe sein.... Also schnell Hotel für eine Übernachtung gebucht (was so spät wie in unserem Fall schon zur echten Herausforderung werden kann) und eine Fahrt nach Røros mit Besuch des "Julemarked Røros" (Weihnachtsmarkt Røros) geplant. Der Wetterbericht kündigt dann auch sehr passend für die beiden Tage Schneefall an und so fahren wir die etwas mehr als hundert Kilometer durch die weitläufige und fast unberührte Natur in Ostnorwegen, während es unaufhörlich schneit. 
Man ist teilweise kilometerweit alleine auf der Straße
Man ist teilweise kilometerweit alleine auf der Straße
Einladung zur Kaffee-Session im Solheim Pensjonat
Einladung zur Kaffee-Session im Solheim Pensjonat
Schnee, Schnee und noch mehr Schnee
Schnee, Schnee und noch mehr Schnee

Wir kommen nach ca. zwei Stunden Fahrt in Røros an, suchen das gebuchte Hotel "Solheim Pensjonat" auf, und werden dort freundlich von einer der Inhaberinnen begrüßt. Sie bäckt eigentlich gerade leckeren Kuchen, da das Haus morgen anlässlich des Weihnachtsmarktes für das traditionelle "Julemarkedkafe" öffnet. Geführt wird das Hotel mit einem ganz eigenen Charme von fünf jungen Frauen, die das Haus 2012 gekauft, hergerichtet und im Stil der 30er Jahre eingerichtet haben. Mit viel Liebe zum Detail wird einem so in jedem Winkel des Hauses das Gefühl vermittelt, in einer anderen Zeit zu sein - perfekt passend zur ganzen Stadt. Dabei ist alles sehr sauber und offensichtlich mit viel Idealismus als auch Engagement geführt.

Der Bürgermeister der Stadt und der Julenissefar
Der Bürgermeister der Stadt und der Julenissefar
Die Kjerkgata - die Fußgängerzone in Røros
Die Kjerkgata - die Fußgängerzone in Røros
Der Zug der Julenisser in den Straßen
Der Zug der Julenisser in den Straßen

Nachdem wir unser Zimmer bereits beziehen können, ist das Gepäck schnell verstaut und dann hält uns nichts mehr, denn heute beginnt der Weihnachtsmarkt !

Nur wenige Straßen zu Fuß, durch den frischen Schnee und die malerischen Gassen, kommen wir bald auf der Bergmannsgata an - auf der Straße, wo der Weihnachtsmarkt stattfindet. Wir treffen direkt auf den Bürgermeister von Røros, Hans Vintervold und dazu auch gleich noch auf den "Nissefar", den Vater der kleinen Julenisser (die norwegischen Weihnachtswichtel, die in ganz Skandinavien populär und weit verbreitet sind). Er füttert gerade (s)ein Rentier und wir sind sofort begeistert von der Atmosphäre: Die ganze Stadt ist weihnachtlich geschmückt, die Buden sind alle mit viel Liebe gestaltet (es gibt auch einen Wettbewerb um den schönsten Stand), unzählige Lichter brennen vor und in den Holzhäusern, so das der Schneefall nur noch das i-Tüpfelchen auf dieser Szenerie ist.

Das Angebot auf dem Weihnachtsmarkt unterscheidet sich grundlegend von dem, was man landläufig von den meisten deutschen Weihnachtsmärkten kennt: Es gibt jede Menge handgefertigte Artikel einheimischer Produzenten aus der Umgebung, leckere regionale Spezialitäten von den Bauernhöfen aus dem Umland und natürlich dürfen Naschereien und der bekannte Glögg (ohne Alkohol) nicht fehlen. Der Ausschank als auch der Genuss von alkoholischen Getränken sind in der Öffentlichkeit nicht gestattet, und dennoch ist die Stimmung (vielleicht auch genau deshalb) sehr gut und die Menschen genießen einfach die weihnachtliche Atmosphäre oder kaufen die ersten Weihnachtsgeschenke.


Die Julenisser treffen auf dem Markt ein
Die Julenisser treffen auf dem Markt ein
Liebevolle Dekorationen vor jedem Laden
Liebevolle Dekorationen vor jedem Laden
Festlich geschmückte Gassen
Festlich geschmückte Gassen
Blick die Kjerkgata hinauf zur Kirche von Røros
Blick die Kjerkgata hinauf zur Kirche von Røros

Die vielen kleinen Geschäfte der Innenstadt haben sich alle etwas einfallen lassen, offerieren besondere Angebote anlässlich des Weihnachtsmarktes und haben vor ihren Türen und auch innen toll geschmückt. Alle Menschen der Stadt haben sich auf diese Tage vorbereitet und erfreuen sich nun gemeinsam an "ihrem" Weihnachtsmarkt. Einfach beeindruckend !

Wir schlendern die Straßen entlang, genießen die Stimmung, kosten hier und da die angebotenen Spezialitäten und beobachten, welchen Spaß unter anderem die Kinder haben, als sie mit dem Julenisser durch die Gassen der Stadt streifen. Und es schneit weiter....

Wir gehen anschließend die Kjerkgata hinunter, zu unserem fast obligatorischen Besuch im Geschäft von Familie Olsen, dem "Soloppgangen" mit seiner tollen Weihnachtsabteilung im zweiten Stock. Dort herrscht selbst im beschaulichen Norwegen Hochbetrieb und wir müssen warten, bis wir die Treppen zum "Juleloftet" hinauf kommen. Spätestens in dieser Welt unendlicher vieler Weihnachtsartikel aus Skandinavien packt einen unvermeidlich die Weihnachtsstimmung: Julenisser, Engel, Windspiele, Kerzen, Kugeln und vieles mehr, was das Herz begehrt. Einfach herrlich und nur schwer ohne einen Einkauf zu verlassen...

Fast daneben liegt die Bakeri Trygstad: Zeit für einen leckeren Kaffee und einen kleinen Imbiss dazu. Auch hier herrscht heute Hochbetrieb und wir sind froh, die letzten beiden freien Plätze zu ergattern. Es fällt uns wieder einmal schwer, sich für etwas von den dargebotenen Leckereien aus dem eigenen Backbetrieb zu entscheiden. Dazu duftet es unwiderstehlich und die tolle Atmosphäre in den warmen Räumen, von wo aus man das Treiben und den Schneefall vor den Fenstern beobachten kann, lassen uns länger als geplant verweilen. Eine nette Bedienung weist uns daraufhin, dass - wie in Norwegen oft üblich - der Kaffee kostenlos nachgefüllt ("Påfyll") werden kann. 

Die Treppe hinab vom Juleloftet
Die Treppe hinab vom Juleloftet
Winteridylle in einem typischen Hof in der Stadt
Winteridylle in einem typischen Hof in der Stadt
Die Bakeri lädt ein....
Die Bakeri lädt ein....

Als wir uns wieder auf den Weg machen, wird es bereits dunkel (dabei ist es erst gegen 15.00 Uhr). Im Licht der frühen Dämmerung wirkt die Stadt wie aus einem Märchen. Wir laufen daher noch eine Runde, erst aufwärts zur imposanten Kirche, die zu den drei größten Bauwerken ihrer Art in Norwegen zählt, und anschließend noch einmal über den Weihnachtsmarkt in Richtung unserer Unterkunft. 

 

Wie wir den Abend und den nächsten Tag erlebt haben, könnt ihr gern im zweiten Teil unseres Blogposts lesen.


Magst du mehr lesen ? Hier findest Du weitere Storys:


Autoren: Cornelia und Sirko Trentsch (mehr über uns hier)


Kommentar schreiben

Kommentare: 0