FOTOTIPPS: Polarlichter fotografieren im Norden von Norwegen (Tromsø / Troms)

Bild als Titel zu unserem Blog über die Fotografie von Nordlicht und Polarlicht im Norden von Norwegen
Beste Region:

Umgebung von Tromsø - Idealerweise mit einiger Entfernung zur Stadt, um die Lichtverschmutzung zu vermeiden

Beste Zeit: Saison von September - Ende März / 18.00 Uhr - 22.00 Uhr bei klarem Wetter
Kameraeinstellungen: Fokus manuell auf unendlich stellen / Selbst- oder Fernauslöser / Belichtungszeit ca. 10 Sek - maximal 30 Sek. / Blende <2,8 / ISO ca. 800 - 1600 / im RAW Format speichern / Weißabgleich automatisch 
Ausstattung: Stativ, Kamera mit manuellen Einstellungen, lichtstarkes Objektiv, Stirnlampe, warme Kleidung
Empfohlene Fotopunkte: siehe Landkarte weiter unten, am Ende dieses Blogs
Polarlicht Vorhersage: Geophysikalisches Institut der Universität von Fairbanks / Alaska ( LINK )

Winter 2014: Ende Januar ging es in den Norden Norwegens. Die Tage sind um diese Zeit sehr kurz und in einigen Regionen ist die Sonne nicht mehr zu sehen: Die Dunkelzeit nördlich des Polarkreises hält an - definitiv die beste Zeit, um beeindruckende Bilder zu machen. Nicht umsonst wird die Dunkelzeit auch Farbenzeit genannt - und tatsächlich gibt es fast jeden Tag einen neuen Zauber, der sich aus den Zutaten des Zwielichtes, der tief stehenden Sonne und den unterschiedlichsten Wetterphänomenen hier im Norden speist. Ein Traum für Naturfreunde und Fotografen. Wie oft wurde ich gefragt, ob diese einzigartigen Farbtöne nicht Photoshop zuzuschreiben sind... NEIN !! Das ist die magische Kulisse zu dieser Zeit, nördlich vom Polarkreis, oft weit weg von unserer Vorstellungskraft. 

 

Und wenn es dann am späten Nachmittag ganz dunkel wird.... Tja, dann begegnet einem hier in vielen Nächten das mystische und unbeschreibliche Naturschauspiel des Polarlichtes - für uns eines der Wunder auf dieser Welt und mit nichts zu vergleichen. Oft zu Beginn nur ein leichtes Glimmen am Horizont, kaum wahrnehmbar, wächst es zu einer gigantischen Lichtshow am Himmel, tanzt in den unterschiedlichsten Farben, projiziert unglaubliche Formen aus Licht an das Firmament  - Gänsehautfeeling pur. Aber wie fängt man dieses Erlebnis ein, woher weiß man, wann und wo man die Aurora Borealis (Fachbezeichnung) sehen kann ? Dazu gleich mehr...

Nordlicht / Polarlicht von Lauklines aus gesehen
Nordlicht / Polarlicht von Lauklines aus gesehen
Ständig neue Farben und Formen
Ständig neue Farben und Formen
Wir nennen diese Formation "Vorhang"
Wir nennen diese Formation "Vorhang"

REGION / LOCATIONS: Wenn man mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit das Nordlicht in Norwegen erleben möchte, bietet sich die Region um Tromsø an, da sie im so genannten Polarlicht-Ring der nördlichen Halbkugel liegt, wie man auf dem Bild unten links sehen kann. Es handelt sich dabei um einen Screenshot der Polarlicht-Vorhersage (Aurora Borealis Forecast) des Geophysikalischen Instituts der Universität Fairbanks Alaska, wo man täglich sehr zuverlässig und genau über die Nordlicht-Aktivitäten der nächsten Tage (in englischer Sprache) informiert wird. In dem Beispiel sieht man für den 09.10.2016 eine eher mäßige Aktivität mit der Stufe 2 angekündigt - so lohnt es eigentlich kaum, und wenn dann nur in Tromsø oder nördlich davon, nach dem Lichtspiel am Himmel Ausschau zu halten, was dann meist nur als leichter Schleier am Himmel zu sehen ist. Ab Stufe 3 kann man nach unseren Erfahrungen schon fast sicher von gut sichtbaren Nordlichtern ausgehen, wobei selbst bei geringeren Aktivitäten (Stufe 1 und 2) in sehr kalten und klaren Winternächten durchaus mal ein Blick an den Himmel lohnt.

Man sollte sich schon bei Tageslicht überlegen, wo man bzw. mit welcher Kulisse man die gesamte Szenerie fotografieren möchte. Eine Spiegelung im Wasser, eine typisch norwegische Hütte, ein Lagerfeuer oder auch die schneebedeckten Berge bieten sich durchaus als Bestandteil des perfekten Motivs an. Auf alle Fälle steigt die Wahrscheinlichkeit auf tolle Bilder, wenn man sich von größeren Ortschaften und Städten mit deren typischer "Lichtverschmutzung" am Himmel entfernt. Sicherlich kann man auch dort und gerade im Zusammenspiel mit diesen Lichtern der Stadt tolle Aufnahmen arrangieren, aber oft steht man vor besonderen und nicht immer leicht zu meisternden Herausforderungen. Wir lieben es, auf der Terrasse einer der Hütten von "Lauklines Kysferie" die Nordlichter zu beobachten und zu fotografieren, da die Kulisse einfach wundervoll und der Weg zum warmen Ofen nicht weit ist...

Weitere Punkte, die sich aus unserer Sicht für gute Aufnahmen in der Region um Tromsø empfehlen, haben wir Euch weiter unten in unserer Karte zusammen getragen.

 

ZEIT: Die beste Zeit ist nur schwer einzugrenzen. Die Aurora Borealis ist eigentlich in gewisser Weise das ganze Jahr mehr oder weniger aktiv. Die Frage ist nur: Wann kann und wird man sie am besten sehen ? Nach Aussagen einiger Norweger in der Region steigt die Wahrscheinlichkeit noch einmal deutlich ab ca. Ende Januar bis zum März, wenn es nicht mehr so oft schneit und der Himmel damit seltener bewölkt ist. Generell kann man schon ab Ende August, manchmal sogar im Zusammenspiel mit dem Sonnenuntergang und bis Ostern, sobald es dunkel wird / ist Nordlichter beobachten, vorausgesetzt, es ist nicht bewölkt. Wir konnten auch schon an einem Novembernachmittag, bereits nach 16.00 Uhr Nordlichter bestaunen, die dann bis in die Nacht zu sehen waren. Insofern gilt aus unserer Sicht: Polarlicht-Vorhersage und Wetterbericht studieren und nach Einbruch der Dunkelheit immer mal einen "Kontrollblick" zum Horizont.

 

Screenshot von der Homepage der UAF mit der Vorhersage - rechts das Logo verlinkt dorthin
Screenshot von der Homepage der UAF mit der Vorhersage - rechts das Logo verlinkt dorthin
Die Hütten von Lauklines Kystferie sind super gelegen - mit "Foto"-Terrasse gleich am Meer
Die Hütten von Lauklines Kystferie sind super gelegen - mit "Foto"-Terrasse gleich am Meer
Das Logo der UAF - einfach darauf klicken
Das Logo der UAF - einfach darauf klicken

AUSRÜSTUNG: Neben dem entsprechenden Fotoequipment - dazu gleich mehr - sollte es selbstverständlich sein, dass man entsprechende winterfeste Kleidung trägt, um sich auch bei extremer Kälte einige Stunden im Freien aufhalten zu können. Handschuhe (ich habe als Fotograf meine Norrøna Lofoten Handschuhe lieben gelernt, da man diese quasi nie verlieren oder liegen lassen kann - Link dorthin am Ende dieses Blogs), Mütze und Winterstiefel sind dabei selbstverständlich. Darüber hinaus habe ich mir, nach einem Beinahe-Absturz immer eine Taschen- und eine Stirnlampe eingepackt, die auch für die manuellen Einstellungen vor den Fotoaufnahmen hilfreich sind. Sollte man länger in der winterlichen Natur unterwegs sein, macht eine Thermoskanne mit einem heißen Getränk das Nordlicht-Erlebnis perfekt.

Das Fotoequipment muss nicht hochprofessionell sein, sollte aber schon gewissen Anforderungen genügen. Wie viele Touristen haben wir bei ihren verzweifelten Versuchen beobachtet, das Nordlicht mit einem Smartphone zu fotografieren....

Basis des Erfolges ist ein gutes Stativ und eine Kamera mit einem großen Sensor, der Aufnahmemöglichkeit im RAW Format, manuellen Einstellungen (für Belichtungszeit, Blende sowie ISO Wert)  und Wechselobjektiv.

Ich schwöre dabei aktuell auf meine Kombination aus der Canon Spiegelreflexkamera und dem Carl Zeiss 21 mm / F 2,8 ZE DISTAGON T Objektiv. Da dieses ohnehin nur eine manuelle Fokussierung bietet, als Festbrennweite eine erstklassige Abbildungsqualität bietet und dazu noch mit einer Blende von 2,8 ausreichend lichtempfindlich ist, nutze ich es gerade für Polarlicht-Aufnahmen sehr gern und fast ausnahmslos. Mit einer Brennweite von 21 mm ist es ohnehin gut für Landschaftsaufnahmen und tolle Panoramen geeignet.

 

EINSTELLUNG: Die Einstellungen selbst sind sicherlich Geschmacksache, Erfahrungswerte und von der Umgebungshelligkeit (z.B. Vollmond) abhängig.

Hier muss man sicherlich probieren und jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Generell gilt, dass man Belichtungszeiten über 30 Sekunden vermeiden sollte, da das am Himmel tanzende Licht dann nicht mehr in seinen Formen, sondern oft nur noch als grüne Fläche zu sehen ist. Ebenso werden bei zu langen Belichtungszeiten die Sterne nicht mehr als Punkte abgebildet, sondern durch die Erdbewegung in ihren Bahnen als Lichtstreifen zu sehen sein.

Je nach Rauschverhalten der Kamera kann und sollte man mit einem ISO Wert von 800 - 1600 arbeiten, die Belichtungszeit ca. zwischen 10 - und maximal 30 Sekunden wählen, die Blende so groß wie möglich einstellen (2,8 oder größer), die Bilder unbedingt auch bzw. nur im RAW Format speichern. Das empfiehlt sich Insbesondere, um im Nachhinein beim Entwickeln im Lightroom gegebenenfalls noch Korrekturen vornehmen zu können, wie zum Beispiel beim Weißabgleich oder dem Bildrauschen.

Den Fokus vom Objektiv stelle ich auf unendlich und erreiche damit meistens in dieser Situation die optimalen Ergebnisse. Um die Kamera vor Erschütterungen durch die Betätigung des Auslösers zu bewahren, nutzt man entweder die eingebaute Selbstauslöser-Funktion der Kamera oder einen passenden Fernauslöser (kabellos oder mit Kabel / oft Sonderzubehör).

Für eine längere Aufnahmesession im Freien empfiehlt sich ein Ersatz-Akku und gegebenenfalls auch Ersatzbatterien für das restliche Equipment, da diese in der Kälte Nordnorwegens schnell schlapp machen.

 

Alles klar - Beschilderung auf Lauklines Kystferie mit der klaren Ansage, wo es das Nordlicht gibt und wo es zum Nordpol weiter geht
Alles klar - Beschilderung auf Lauklines Kystferie mit der klaren Ansage, wo es das Nordlicht gibt und wo es zum Nordpol weiter geht

Aus eigener Erfahrung kann ich nur empfehlen, die wichtigsten Einstellungen und die Vorgehensweise, neudeutsch den "Workflow", vorab einmal durchzuspielen, um dann, wenn es soweit ist, alles etwas souveräner und routinierter einrichten zu können. Wenn es dunkel bzw. kalt ist oder einen die Emotionen beim ersten Betrachten dieses Schauspieles übermannen, ist es oft schwerer, die richtigen Einstellungen auf die Schnelle zu finden. Weiterhin haben wir uns angewöhnt, wenn wir in der Dunkelheit in Nordnorwegen unterwegs sind, die Kamera schon mit gewissen Grundeinstellungen "schussbereit" mitzuführen und natürlich auch die komplette Ausstattung griffbereit zu haben.

 

Wir hatten bisher das Glück, wenn wir in der Fylke / Region Troms unterwegs waren, in der Woche jeweils ca. 2 - 3 mal diese fantastische Szenerie erleben zu dürfen und wünschen euch das natürlich in gleicher Weise.

 

Gutes Licht, gutes Wetter und gute Polarlicht-Aufnahmen.

Von Lauklines aus in Richtung Sommarøy
Von Lauklines aus in Richtung Sommarøy
Blick in Richtung Kaldfjorden mit dem Licht der Häuser dort
Blick in Richtung Kaldfjorden mit dem Licht der Häuser dort
Ein gigantisches Spektakel in voller Schönheit
Ein gigantisches Spektakel in voller Schönheit

 

Auf der nachfolgenden Karte haben wir für Euch einige Hot-Spots hinterlegt / markiert, an denen wir entweder faszinierende Motive und beeindruckende Szenerien des Nordens oder eben auch das Nordlicht fotografieren konnten:

(Interaktive Karte mit Zoom-Möglichkeit / mit einem Klick auf die Markierungen öffnen sich zusätzlich Beschreibungen und Beispielaufnahmen)

GOD TUR !!!

Auf der rechten Seite seht ihr noch die bereits angekündigte Empfehlung für die aus meiner Sicht ziemlich perfekten Handschuhe, um bei eisigen Temperaturen im Norden von Norwegen jederzeit gut mit der Ausrüstung arbeiten zu können.

 

(Die Handschuhe sind im Rahmen einer Affiliate-Partnerschaft direkt in den Amazon Shop verlinkt und können über einen Klick darauf direkt dort erworben werden. Ein Kauf darüber kostet Euch keinen Cent mehr, unterstützt aber unsere  Arbeit an dem Blog, da wir für Euren Einkauf eine kleine Provision erhalten. Mehr Infos dazu auch hier. ) 

 



Du möchtest unsere Bilder aus der Region anschauen oder mehr von uns lesen ? Dann schaue gern hier:


Autoren: Cornelia und Sirko Trentsch (mehr über uns hier)


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